Die Baugeldzinsen fallen leicht

Wer dieser Tage die Baugeldzinsen betrachtet und die Werte mit den entsprechenden Zinssätzen von vor einigen Wochen vergleicht, kommt zu einer überraschenden Erkenntnis: Sie befinden sich im leichten Sinkflug. Bei allen Laufzeiten sind sie zwischen fünf und 15 Basispunkten schwächer als noch im Oktober. Für diesen Prozess, der im Sommer noch nicht absehbar war, gibt es zwei Erklärungen: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zum einen wieder einmal in den Markt eingegriffen. Zum anderen wirft die kommende Bankenunion deutlich ihre Schatten voraus.

Die EZB hat den Leitzins gesenkt

Die EZB hat in ihrer November-Sitzung überraschend beschlossen, den Leitzins von 0,50 auf nur noch 0,25 Prozent zu senken. Nie in der Geschichte der Währungsunion lag der Wert derart tief. Zusätzlich erklärte Notenbank-Chef Mario Draghi auch noch, man habe weitere Pfeile im Köcher, sollte die Leitzins-Senkung nicht das gewünschte Ziel erreichen. Dabei handelt es sich um eine Bekämpfung der Deflation, die insbesondere in Südeuropa um sich greift. Dort beträgt die Rate der Preissteigerungen gerade noch 0,7 Prozent. In vielen Sektoren sinken die Preise. Dies führt zu einer Verschärfung der Wirtschaftskrise.

Zinsentwicklung der letzten 3 Jahre - Aktuelle-Bauzinsen.info

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Das Problem dabei: Deutschland und der Rest von Europa driften immer weiter auseinander. Die Inflationsrate in der Bundesrepublik bewegt sich zumeist zwischen 1,5 und 2,0 Prozent. Diese Werte sind zwar nicht optimal, aber noch gesund.

Die Leitzins-Senkung hat hier den gegenläufigen Effekt: Statt zu nutzen, schadet sie.

Greifbar wird dies am Immobilienmarkt: Die Baugeldzinsen sinken, weil die Banken günstiger denn je Geld von der Zentrale in Frankfurt leihen könne. Der Markt, der in weiten Teilen der Bundesrepublik eigentlich schon überhitzt ist, wird so mit günstigen Finanzierungen überschwemmt. Diese bringen den Geldhäusern nämlich mittel- und langfristig (vermeintlich) sichere Renditen.

Die Banken brauchen mehr Eigenkapital

Im Rahmen der kommenden Bankenunion, die im nächsten Jahr umgesetzt werden soll, benötigen die Geldhäuser zudem mehr Eigenkapital. Dieses prüft die EZB, welche die Aufsicht über die Geldhäuser führen soll, derzeit ab. Der Stresstest ist für viele Finanzinstitute ein großes Problem, denn sie kommen nicht auf die geforderten acht Prozent. Dies gilt zwar nicht für die deutschen Banken, sehr wohl aber für die ausländischen Geldhäuser, die hier aktiv sind. Diese suchen deshalb nach stabilen Einnahmemöglichkeiten, von denen sie langfristig zerren können. Erneut bieten sich die Bau- und Immobilienkredite an. Ironischerweise hilft dabei sogar, dass der Markt überhitzt. Die Kreditnehmer brauchen größere Summen, was zu höheren Zinseinnahmen führt.

Fazit: Der Winter ist die richtige Zeit für eine neue Finanzierung

Wer eine neue oder auch eine erste Baufinanzierung benötigt, dürfte im Winter sehr gute Angebote bekommen. Saisonbedingt sinken die Zinsen hier in der Regel nämlich noch einmal ab. Dabei gilt: Wer zu lange wartet, begeht einen Fehler. Spätestens im kommenden Frühjahr dürften sich die Zinsen – vorausgesetzt die EZB greift nicht noch einmal ein – wieder erholen. Ohnehin werden die Finanzierungen teurer je länger man wartet. Dafür sorgen schon die steigenden Marktpreise. Es gibt deshalb in den kommenden Wochen ein Fenster für günstige Darlehen. Dieses ist aber nicht sehr breit.

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