Leitzins der EZB auf 0,75% gesenkt: Folgen für die Bauzinsen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent gesenkt. Nie in der Geschichte der Währungsunion hat sich dieser auf einem derart tiefen Niveau befunden. Ebenfalls nach unten ging der Zinssatz für kurzfristige Kredite, die sich Finanzinstitute bei der EZB nehmen können. Mussten die europäischen Geldhäuser für solche Darlehen bislang 1,75 Prozent Zinsen bezahlen, genügen in Zukunft 1,50 Prozent. Zeitgleich korrigierte die Notenbank auch den Zinssatz für „geparkte Liquidität“ um 25 Basispunkte auf null Prozent nach unten. Banken, die in dem Nachtspeicher der Zentralbank, der in diesem Jahr unter dem Namen „Angstkasse“ einige Berühmtheit erlangte, Geld lagern, bekommen dafür folglich keine Rendite mehr.

Rezession bekämpfen und Kreditklemme lösen

Die EZB hofft, durch die Lockerung der Geldpolitik die Rezession in den Krisenstaaten zu bekämpfen und vor allem die Kreditklemme, die zwischen den europäischen Banken sowie zwischen den Geldhäusern der Krisenstaaten und der Wirtschaft herrscht, aufbrechen zu können. Durch den tieferen Leitzins können sich die Banken günstiger bei der EZB mit frischem Geld versorgen und durch den auf null Prozent gesunkenen Zinssatz des Nachtspeichers sollen sie zusätzlich motiviert werden, ihre Mittel dort abzuziehen, um sie als Kredite an die Wirtschaft zu geben.

Die Reaktion der Märkte: Zu wenig und zu spät

Die Finanzmärkte reagierten allerdings nicht wie erhofft. Dort war der Schritt bereits seit einiger Zeit erwartet worden, weil in den vergangenen Wochen die amerikanische, britische und selbst die chinesische Notenbank die Geldpolitik drastisch gelockert hatten. Die Aktion der EZB ist nach Ansicht der Analysten zu spät gekommen und sei zu schwach ausgefallen. Die Märkte hatten gehofft, der Leitzins werde auf 0,50 Prozent absinken. Zudem kursierten Gerüchte, die Notenbank werde einen neuen Langzeittender ankündigen, wie es ihn im Dezember und Februar gab, als sich die größten Banken der EU zinsgünstig mit mehr als einer Billion Euro versorgen konnten. Da beides ausblieb, sackte der Euro unter 1,25 US-Dollar.

Folgen für die Bauzinsen

Theoretisch bedeutet ein sinkender Leitzins, dass sich auch die Bauzinsen nach unten entwickeln werden, da es für die Banken günstiger wird, um an die Mittel für solche Kredite zu kommen. Praktisch wird es dazu jedoch nicht kommen, denn dazu fiel die Senkung zu gering aus, zudem flutete die Notenbank die Geldhäuser diesmal nicht mit frischem Geld. Tatsächlich werden die Bauzinsen steigen, denn durch die Kreditklemme, die auch Deutschland erreicht hat, vergeben die Geldhäuser Darlehen nur noch sehr viel vorsichtiger und zu höheren Zinssätzen. Die Lage der Banken ist so ernst, dass diese künftig sogar direkt aus dem Euro-Rettungsfonds ESM rekapitalisiert werden können. Auch dieser Umstand zeigt, dass sich die Phase der günstigen Kredite ihrem Ende nähert, denn die Finanzinstitute brauchen solide Zinsgewinne, um die Verluste der Vergangenheit durch toxische Papiere und die geschnittenen griechischen Staatsanleihen wieder auszugleichen. Der einzige Effekt der Leitzinssenkung wird deshalb sein, dass die Bauzinsen vermutlich nicht ganz so schnell wie befürchtet wieder anziehen. Steigen werden sie dennoch, weshalb Interessenten, die bauen wollen, jetzt aktiv werden sollten.

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Eine Antwort zu Leitzins der EZB auf 0,75% gesenkt: Folgen für die Bauzinsen

  1. Mic schreibt:

    Das ist wirklich verrückt, da gehen die Zinsen für die Banken und Versicherungen gegen Null, aber Bauherren bekommen keine Kredite.

    Stattdessen werden die Gelder in Staatsanleihen mit hoher Rendite gesteckt, das ist wohl nicht Sinn der Sache.

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